MOBILITÄT
Training im Erfurter Hauptbahnhof: Blind zum Zug
22.03.2025, 16:11 Uhr • Lesezeit: 2 Minuten
Von Lea Dröge
Blindentraining Hauptbahnhof Erfurt
Die Teilnehmer des Blinden-Sensibilisierungstrainings der Bahnhofsmission. Im Bild sind (von links): Winnie Hasse, Karin Susan Luther, Suin Kim, Bernd
Gräser, Jana Voigt, Hans Wundrak, Andreas Voigt, Fernanda Rodriguez, Magdalena Steinhöfel, Eva Maria H., Yvonne Albrecht, Daniel Dornis.© Funke Medien
Thüringen | Lea Dröge
Erfurt. Wie nehmen Menschen mit eingeschränkter Sehkraft den Bahnhof war? Um das nachzuvollziehen, nehmen Helfer der Bahnhofsmission eine neue Perspektive
ein.
Wie fühlt es sich an, nichts oder nur sehr wenig zu sehen? Wie findet man sich an einem vollen Bahnhof zurecht, wenn man auf
Hörsignale, Taststreifen und Hilfe
angewiesen ist? Genau diesen Fragen widmete sich ein Sensibilitätstraining der Erfurter Bahnhofsmission, das am Samstag im Hauptbahnhof stattfand. Organisiert
wurde das Projekt von der hauptamtlichen Mitarbeiterin Karin Susan Luther.
Brille simuliert Einschränkung
Blinde und sehende Teilnehmende erkundeten in gemischten Gruppen mit Simulationsbrillen und Blindenstöcken den Bahnhof. Ziel war es,
Barrieren zu erkennen,
Unsicherheiten abzubauen und ein Gespür für die Lebensrealität von Menschen mit Sehbeeinträchtigungen zu entwickeln. Unterstützung kam dabei vom Blindenverband, der durch seine Expertise Einblicke gab – und Hinweise zum respektvollen Umgang vermittelte.
Die Erfurter Bahnhofsmission versteht sich als sozialer Anlaufpunkt für alle Menschen, die sich im Bahnhofsbereich aufhalten – Reisende, die Hilfe beim
Umsteigen benötigen; Menschen in sozialen Notlagen oder einfach Passanten auf der Suche nach einem Gespräch. „Wir sind da, wenn jemand Orientierung braucht,
einen Kaffee möchte oder einfach jemanden zum Reden“, erklärt Magdalena Steinhöfel, Vorstandsmitglied der Mission. Gerade in Krisensituationen – etwa bei
großen Verspätungen oder Störungen im Bahnverkehr – sind die Ehrenamtlichen präsent, deeskalieren und bieten seelsorgerische Gespräche an.
Engel bilden sich kontinuierlich fort
Seit 2017 engagieren sich rund 30 Ehrenamtliche –
„Engel am Zug“ genannt
– regelmäßig in Teams am Bahnhof. Sie sind an drei Nachmittagen pro Woche im Einsatz. Neben seelischer Unterstützung gehört auch die Mobilitätshilfe zu
ihren Aufgaben, etwa beim Umsteigen für mobilitätseingeschränkte Personen oder Menschen mit Sinnesbeeinträchtigungen.
Das Training sei Teil einer kontinuierlichen Fortbildung, nicht Reaktion auf ein konkretes Fehlverhalten, betont Steinhöfel. Schulungen wie diese sollen
dazu beitragen, dass das Team der Bahnhofsmission weiterhin sensibel, achtsam und professionell auf die unterschiedlichen Bedürfnisse der Menschen reagieren
kann.
Ihr Appell an die Erfurter Bevölkerung: „Kommt gerne vorbei, schaut euch unsere Arbeit an. Wir freuen uns über jede Unterstützung – ob durch Spenden, Vereinsmitgliedschaft
oder eigenes ehrenamtliches Engagement.“ Der Pavillon der Bahnhofsmission ist donnerstags, sfreitags und sonntags am Nachmittag geöffnet.