„Der Umgang mit Behinderungen in beiden deutschen Staaten nach 1945“

 

Am Donnerstag, dem 22. Und Freitag, dem 23.05.2025 hat in der Gedenkstätte zur Aufarbeitung des Unrechts der SED-Diktatur in Erfurt besagte Tagung stattgefunden. Diese Gedenkstätte ist in der ehemaligen Zentrale der Staatssicherheit untergebracht und Teil der Ettersberg-Stiftung. Die Teilnehmer sind zum einen in Einrichtungen tätig, die auf diesem Gebiet forschen. Teilweise arbeiten sie aber auch in Stiftungen, die sich dafür einsetzen, dass behinderten Menschen in der Vergangenheit angetanes Unrecht nicht vergessen wird. Auch Vertreter verschiedener Interessenverbände waren dabei.

 

In vielen kurzen Vorträgen und anschließenden Diskussionen wurden verschiedenste Bereiche dieses riesigen Forschungsfeldes beleuchtet. Einleitend wurde uns ein kleiner Einblick darüber gegeben, inwieweit geschichtliche Forschung in Deutschland im Zusammenhang mit Behinderungen betrieben wurde und wird. Für alle Teilnehmer ist sehr deutlich geworden, dass in diesem Forschungsfeld noch sehr großer Verbesserungsbedarf besteht. Hauptsächlich wurde bemängelt, dass Forschung durch die entsprechenden Einrichtungen bisher eher „im Elfenbeinturm“ betrieben wurde, ohne die betreffenden Personen bzw. deren Interessengruppen mit einzubeziehen.

Während es am Donnerstag hauptsächlich um Gewalterfahrungen geistig behinderter und gehörloser Menschen in den beiden Weltkriegen und in beiden deutschen Staaten zwischen 1945 und 1990 ging, wurden am Tag 2 die berufliche Integration, die bauliche Barrierefreiheit und die Rolle Behinderter in Kunst und Kultur in der DDR und der BRD beleuchtet. Dabei wurde die Situation von Sinnes- und Körperbehinderten ebenso angesprochen wie die von Personen mit Lern- und geistigen Behinderungen. Zuletzt bekamen wir noch einen Einblick in die Funktionsweise des Blindenverbandswesens in Rumänien vor der Wende.

 

Im Abschlussfazit wurde allerdings deutlich, dass die ausrichtende Einrichtung im Bereich Inklusion ein großer Vorreiter ist, viele aber mit großen Hürden zu kämpfen haben, um behinderungsbedingte Barrieren zu überwinden. Das gilt ganz besonders dann, wenn sie einen höheren Bildungsabschluss anstreben.

Damit auch alle Teilnehmer die Tagung komplett mitverfolgen konnten, wurde sie durch Gebärden- und Schriftdolmetschende begleitet. Durch eine Kurzbeschreibung eines jeden Redners konnten sich auch alle sehbehinderten die entsprechenden Personen sehr gut vorstellen.

Aus der Sicht derjenigen, die für den BSVT teilgenommen haben, war die Tagung super organisiert und sehr, sehr interessant. Wir werden ähnliche Veranstaltungen auf jeden Fall wieder sehr gerne besuchen.